Mittwoch, 23. Juli 2014

Gibt es noch ein anderes Wort für Erpressung?

Gibt es noch ein anderes Wort für Erpressung? Hm, da fällt mir z.B. Amtswillkür ein, ach nee, doch eher Machtmissbrauch im Amt, das triffts besser.

Tja ihr Lieben. In den Medien bekommt ihr ja einen recht "netten" Eindruck von den Leistungsbeziehern und natürlich sollten die doch alle mal in einen Job getreten werden damit die ihren faulen Hintern wieder hoch bekommen, sitzen doch nur den ganzen Tag vor der Glotze die faulen Schmarotzer...

Aber halt, so hin und wieder kommt dann doch das Grübeln, ob uns die Medien nicht auch einen Universalsündenbock präsentieren wollen damit der liebe Otto-Normalverdiener das Gefühl bekommt, ein wertvollerer Mensch zu sein, wenn er im Schweisse seines Angesichts für wenig Lohn seine Gesundheit kaputt buckelt.... ( ok, ich habe es bewusst negativ ausgedrückt, soll wohl an dem liegen, was da momentan abgeht im heimischen Jobcenter).

Alle 6 Monate tanze ich auf Terminwunsch des Sachbearbeiters im Jobcenter an, fülle dort meinen Antrag aus, lege alles offen, mache mich mental völlig nackisch und hoffe, da ohne weiterer Probleme mit nem gültigen Bescheid wieder rauszukommen. Die letzten 3 Male lief das alles ganz gut, ich hatte einen wirklich menschlichen Sachbearbeiter mit dem ich auch noch ein kleines Pläuschchen nebenbei führen konnte über Fußball, Angebote bei Aldi etc,. , der mir viel Kraft wünschte was die Kids zu Hause betrifft, die ja alle 3 auf ihre Art speziell sind.

Nunja, dieser SB ist nicht mehr im Jobcenter und da ich ja so lange verwöhnt wurde vom ehem. Sachbearbeiter muß man mich nun drangsalieren, nötigen und erpressen - und womit? Na mit einem gültigen Bescheid ab dem 1.8. - ohne Bescheid kein Geld, ohne Geld ein großes Problem zu Hause, ich kann nicht mal eben 3 Kinder ins Regal legen sozusagen in die Warteschleife und sagen, nun wartet mal schön ihr lieben Kinderchen, vielleicht kommt ja bald irgendwann mal das Geld, dann gibts auch wieder was zu essen.......

Aber Herr SB, der mich um gut 2 Köpfe überragt muß mir doch jetzt erstmal eben klarmachen, wer hier zu kuschen hat und wer am längeren Hebel sitzt, mal eben klein machen damit die auch alles mitmacht ohne aufzumucken, ein richtig feines Objekt an dem man seine Launen auslassen kann zur Ego-Befriedigung.

Denkt er wohl so.....aber, er weiß noch nicht, wer da bei ihm im Büro saß, ich bin nicht einfach die kleine Frau die sich da einschüchtern läßt. Natürlich war ich in den ersten Stunden nach meinem Zwangsbesuch dort ganz schön down, aber solche Subjekte wecken meinen schlummernden Kampfgeist und ich bin nicht gewillt, mir das bieten zu lassen. Vor Jahren habe ich Amtswillkür schon in der regionalen Tageszeitung öffentlich gemacht, wurde sogar zu einem Interview danach eingeladen - und genauso werde ich dieses mal auch verfahren. Ich lasse mich nicht still machen von solchen Menschen - die aktivieren nur meine Laut-Taste ! In diesem Sinne, wenn ein Zeitungsartikel notwendig wird - ich werde es euch wissen und ihn lesen lassen.

Faust zum Gruße !

Mittwoch, 4. Mai 2011

Das Bildungspaket und ich

So hat doch vor Kurzem unsere allseits beliebte Uschi eine geniale Idee gehabt, die armen armen Kinderchen derer, die sie zu Hause vor Breitbild-TV und im Kippenqualm verdummen lassen, sollten in den Genuß einer vollwertigen Mittagsmahlzeit kommen, sowie auch Freizeitmöglichkeiten in Form von Musik, Sport und Spiel bekommen, bemerkenswerterweise durch einen Gutschein, den man nicht bei Aldi in Kali-Flaschen ( = Aldi-Bier) umsetzen kann - whow, ich bin sprachlos!

Nachdem Herr Grüßaugust äh der Bundespräsident sich dann endlich herabgelassen hat, dieses Gesetz zu verabschieden (warum Eile, es hat doch Zeit...) ging es dann auch schon los. Ich sagte, es ging auch schon los. Ok, laaangsam ging es vereinzelt los. Hin und wieder sah man ab und an mal ne Homepage einer Stadt oder eines Jobcenters, wo man Formulare dazu runterladen konnte (was allerdings auch erstens einen PC, zweitens Internet und drittens einen Drucker erfordert, zumindest letzteres ist nicht unbedingt standart in jedem Haushalt). Viele blieben durch das ganze Medienwirrwarr (TV, Zeitungen) informationslos bzw. hatten falsche Infos im Kopf, eine allgemeine Aufklärung unterblieb in vielen Fällen, besonder auch was Wohngeld- und Ki-Zuschlag-Empfänger betrifft.

Sollte man es aber geschafft haben, einen der begehrten Anträge zu bekommen, durfte man ein Kreuzchen machen an der Stelle, die auf einen zutrifft, ist doch gar nicht schwer, kann doch wirklich jeder, dann seinen Karl-Otto drunter und ab zum Jobcenter.

Hier wiederum stößt man auf Sachbearbeiter, die zwar auch aus den Medien von dem Bildungspaket erfahren haben, aber kommunal noch gar nicht geschult wurden, wie überhaupt zu verfahren ist. Ich nehme an, daß die Zahl der Krankenmeldungen der SB der Jobcenter und Co in nächster Zeit steigen wird und zwar aufgrund der Schulterbeschwerden durch ständiges Achselzucken gepaart von Gesichtsmuskelkrämpfen durch Augenbrauenhochziehen, Unterlippe kräuseln etc.

Ok, der Antrag wird mit vielen anderen erstmal gesammelt, das hat auch etwas für sich, so braucht mein Antrag nicht alleine irgendwo verstaubt herumliegen, sondern er liegt in Gemeinschaft mit vielen anderen, das ist wahre Solidarität ;-)

So rennt man denn jeden Tag zum Briefkasten um zu schaun, ob man schon ein herzliches Schreiben des Jobcenters bekommen hat und ach, welche große Freude, man wurde bedacht. Schnell den Umschlag aufgerissen um zu lesen:... benötigen wir die Nachweise über die Mitgliedschaft, sowie Nachweise über bisherige Zahlungen seit dem 1.1.2011.... Häääää? Es muß ein obligatorisches Standartschreiben sein, sozusagen als Antwort auf den Ankreuzzettel, sozusagen der Antrag vom Antrag auf Antrag, zumal ich alle Nachweise mitgesandt hatte in weiser Voraussicht (als alter Hase kennt man seine Pappenheimer und weiß, daß die Nachweise benötigen, um die Prozedur abzukürzen sende ich sie standartmäßig gleich immer mit, egal worum es geht). Nun gut, Anruf getätigt, Nachweise sind da, der Brief war wohl ein Versehen (dachte ichs mir doch), aber, es kann noch nicht bearbeitet werden, weil noch nicht genau raus ist, wer wann und wo diesen Gutschein überhaupt annimmt, äh ja. Mir würde ja quasi reichen, daß wenn schon nicht bar ausgezahlt werden soll, die 10 Euro für den Musikunterricht auch direkt zum Anbieter (in diesem Falle Schule) überwiesen werden. Aber neeeiiiin, es geht nur mit Gutscheinen (komisch, auf der Märchenseite der BMAS stand auch was von Kostenerstattung oder Gutschein) und da kommts drauf an, wr die annimmt und wer nicht, ah ja.

Nun haben wir ein Problem, denn unsere Schule will diese Gutscheine nicht, im Klartext heißt da ssoviel wie, für uns ändert sich gar nichts, alle Kosten bleiben beim alten, wir können das Bildungspaket nicht nutzen. Und nicht nur die Schule will diese Gutscheine nicht, auch beim Schwimmkurs, wie auch Rehasport will man diese Gutscheine nicht, da es eben einen höheren bürokratischen Aufwand bedeutet, für den es nicht ausreichend Mitarbeiter gibt. Tagesausflüge in der Schule müssen auch weiter in bar bezahlt werden etc. pp.

Danke liebe Uschi für diese wundervolle Idee von der viele nichts haben werden, denn auch bei Vereinen, Schulen etc. ist Bargeld lieber gesehn als irgendwelche ominösen Gutscheine. Aber mit ein bißchen Voraussicht war das vorher schon klar - und die Kostenersparnis dazu wurde bestimmt im Vorfeld schon fiktiv errechnet, so daß sich das Geld sicher sinnvoller einsetzen läßt, vielleicht sogar in die Terrorabwehr, nachdem uns`Angie mit ihrem herzlichen Gesäusel zum Tode bin Ladens sicher keine Freunde in diversen Terroristenkreisen gebracht hat....

Und nun setz ich meinen dicken ungebildeten Hartz4-Hintern auf den Balkon und beobachte anderen Menschen beim Arbeiten.....

* vorsicht, an einigen Stellen wurde Ironie versteckt, bitte langsam dran vorbeigehn und nicht stolpern....

Samstag, 5. März 2011

Aus dem Leben eines Hartzis...

Ein süßer Spitzname für etwas, was viele gar nicht sein wollen – ein Hartzi!

Hartzi, das klingt sanft und niedlich, nach einem kleinen Kuschelhasen, der ohne Unterstützung nicht voran kommt. Aber DEN Hartzi gibt es gar nicht, weder den unterstützungswürdigen Kuschelhasen, noch sonst was. Auch Hartzis sind individuell, auf sämtlichen Wegen und Umwegen sind sie in die Hartz4-Falle geraten, aus der es oftmals gar keinen Ausweg gibt – auch wenn uns die Politik weiß machen will, dass Hartz4 ja nur zur übergangsmäßigen Unterstützung gewollt ist, um den Weg in die Arbeit zurück zu finden.

Das klingt jetzt sehr danach, als hätte Hatzi keine Lust mehr, jeden Tag arbeiten zu gehen und solange er sich weigert, würde er eben durch den von Politikern, die nicht annähernd mit dem bisschen auskommen müssen, festgesetzten Regelsatz auskommen müssen. Aber Hartzi ist ein Mensch von nebenan, er hat z.B. ein Kind, für das es keinerlei Betreuungsmöglichkeit gibt, er hat eine pflegebedüftige Mutter, die er ins Heim abschieben müsste, Hartzi wurde gerade mit mehreren Kindern sitzen gelassen vom Kindvater, Hartzi sitzt gerade aufgrund persönlicher Umstände in einer Depression, die ihn lähmt, Hartzi hat viele Gesichter und Geschichten, warum, Hartzi der ist, der er ist.

Greifen wir einen Tag aus Hartzis Leben auf. Von der Arge wurde Hartzi das letzte mal angeraunt in rüdem Ton, es müsse endlich etwas geschehn, z.B. in Form einer Maßnahme, die Hartzi endlich wieder ein geregeltes Leben verschafft, damit er nicht den ganzen Tag verschläft und seine Perspektiven verliert. Hartzi versteht die Welt nicht mehr, er liegt doch gar nicht den ganzen Tag herum, im Gegenteil, Hartzi würde gerne mal zur Ruhe kommen, das kann Harti aber gar nicht, denn Hartzi ist alleinerziehend und Hartzis Kinder entsprechen nicht dem „Normal“, welches andere Kinder entsprechen.

Für Hartzi beginnt der Tag zu einer Zeit, in der viele noch schlafen, denn Hartzis Sohn hat eine Krankheit, die den Kleinen nachts mehrmals erwachen lässt und teilweise stundenlang wach hält. Hartzi steht also kurz nach Mitternacht an Sohnemanns Bett und hilft dem Kleinen, dass er wieder Luft bekommt, wischt Erbrochenes weg, kleidet das Kind und das Bett um, beruhigt den Kleinen bis er wieder schläft und legt sich selber wieder hin.

1-2 Stunden später zieht es den andern Sprössling zur Toilette, da der Sprössling an einer autistischen Störung leidet und er anders wahrnimmt als andere, benötigt er dazu Hilfe, wenn es nicht eh schon zu spät und das Bett naß ist. Hartzi steht selbstverständlich hierfür auf und hilft dem Sprössling.

Wieder 1-2 Stunden später bekommt der Kleine wieder schlecht Luft, muß sich evtl. auch wieder übergeben und Hartzi hilft dem Kleinen wiederholt.

Wenn Hartzi Glück hat, hat er nun noch 1,5 oder 2 Stunden bis der Wecker klingelt und Hartzi alle Kinder wecken muß, für die Schule fertig machen muß (inklusive Mittagessen zum Mitgeben, da Hartzis Kinder an schweren Nahrungsmittelallergien, wie auch Intoleranzen leiden und am normalen Schulessen nicht teilnehmen können).

Als dann endlich alle Kinder aus dem Haus sind, macht Hartzi den Haushalt, geht Einkaufen, nimmt Termine wahr.

Mittags kommt das erste Kind nach Hause und hat Hunger, also steht das vorbereitete Mittagessen auf dem Tisch. Die beiden anderen Kids kommen erst später, so kann Hartzi mit Kind 1 ein wenig für die Schule üben.

Dann kommen die beiden anderen Kids nach Hause und ab da wird’s erstmal stressig, da die beiden im Wechsel in der Woche Therapien haben, zu denen Hartzi mit beiden per Bus fahren muß.

Abends werden dann die beiden jüngeren gebadet, es gibt allgemein Abendessen, die Kids gehen ins Bett und Hartzi denkt darüber nach, was man ihr von Seiten der Arge damit sagen wollte, dass man ihm wieder ein geregeltes Leben verschaffen solle. Ist denn das, was er tut ungeregelt? Ist das, was er tut nichts wert? Zählt es nicht, dass er mehr Stunden am Tag bereit steh und tut und macht, als z.B. ein Arbeiter am Band, der nach 8 Stunden nach Hause geht und die Füße hochlegen kann? Zählen durchwachte Nächte nicht? Teilweise 36 Stunden am Stück ohne jegliche Pause, wenn ein Kind krank ist und nicht zur Schule kann?

Ob wohl auch die Politiker an solche Hartzis denken, die einen solchen Tag haben wie „unser“ Hartzi? Anscheint nicht, denn Hartzi hat gefälligst den Regelsatz der Kinder in Zigaretten und Alkohol umzusetzen und den ganzen Tag zu Hause vor dem Breitbildfernseher zu sitzen, damit auch die Aussage stimmt, Hartz4 wäre nur zur Überbrückung, sozusagen
Um den Weg in die Arbeit zurück zu finden und deshalb auch so niedrig und eng bemessen.

Vielleicht ist „unser“ Hartzi nicht unbedingt DER Klischee-Hartzi, aber es gibt viele Hartzis, die einen ganz ähnlichen Tagesablauf haben – nur, von denen spricht keiner, diese Art Hartzi hat keine Lobby. Es wird Zeit, etwas für Hartzi zu tun – und zwar nicht in Form einer Maßnahme, sondern in Form eines würdigen Lebens und der Anerkennung seiner Leistungen!