Samstag, 5. März 2011

Aus dem Leben eines Hartzis...

Ein süßer Spitzname für etwas, was viele gar nicht sein wollen – ein Hartzi!

Hartzi, das klingt sanft und niedlich, nach einem kleinen Kuschelhasen, der ohne Unterstützung nicht voran kommt. Aber DEN Hartzi gibt es gar nicht, weder den unterstützungswürdigen Kuschelhasen, noch sonst was. Auch Hartzis sind individuell, auf sämtlichen Wegen und Umwegen sind sie in die Hartz4-Falle geraten, aus der es oftmals gar keinen Ausweg gibt – auch wenn uns die Politik weiß machen will, dass Hartz4 ja nur zur übergangsmäßigen Unterstützung gewollt ist, um den Weg in die Arbeit zurück zu finden.

Das klingt jetzt sehr danach, als hätte Hatzi keine Lust mehr, jeden Tag arbeiten zu gehen und solange er sich weigert, würde er eben durch den von Politikern, die nicht annähernd mit dem bisschen auskommen müssen, festgesetzten Regelsatz auskommen müssen. Aber Hartzi ist ein Mensch von nebenan, er hat z.B. ein Kind, für das es keinerlei Betreuungsmöglichkeit gibt, er hat eine pflegebedüftige Mutter, die er ins Heim abschieben müsste, Hartzi wurde gerade mit mehreren Kindern sitzen gelassen vom Kindvater, Hartzi sitzt gerade aufgrund persönlicher Umstände in einer Depression, die ihn lähmt, Hartzi hat viele Gesichter und Geschichten, warum, Hartzi der ist, der er ist.

Greifen wir einen Tag aus Hartzis Leben auf. Von der Arge wurde Hartzi das letzte mal angeraunt in rüdem Ton, es müsse endlich etwas geschehn, z.B. in Form einer Maßnahme, die Hartzi endlich wieder ein geregeltes Leben verschafft, damit er nicht den ganzen Tag verschläft und seine Perspektiven verliert. Hartzi versteht die Welt nicht mehr, er liegt doch gar nicht den ganzen Tag herum, im Gegenteil, Hartzi würde gerne mal zur Ruhe kommen, das kann Harti aber gar nicht, denn Hartzi ist alleinerziehend und Hartzis Kinder entsprechen nicht dem „Normal“, welches andere Kinder entsprechen.

Für Hartzi beginnt der Tag zu einer Zeit, in der viele noch schlafen, denn Hartzis Sohn hat eine Krankheit, die den Kleinen nachts mehrmals erwachen lässt und teilweise stundenlang wach hält. Hartzi steht also kurz nach Mitternacht an Sohnemanns Bett und hilft dem Kleinen, dass er wieder Luft bekommt, wischt Erbrochenes weg, kleidet das Kind und das Bett um, beruhigt den Kleinen bis er wieder schläft und legt sich selber wieder hin.

1-2 Stunden später zieht es den andern Sprössling zur Toilette, da der Sprössling an einer autistischen Störung leidet und er anders wahrnimmt als andere, benötigt er dazu Hilfe, wenn es nicht eh schon zu spät und das Bett naß ist. Hartzi steht selbstverständlich hierfür auf und hilft dem Sprössling.

Wieder 1-2 Stunden später bekommt der Kleine wieder schlecht Luft, muß sich evtl. auch wieder übergeben und Hartzi hilft dem Kleinen wiederholt.

Wenn Hartzi Glück hat, hat er nun noch 1,5 oder 2 Stunden bis der Wecker klingelt und Hartzi alle Kinder wecken muß, für die Schule fertig machen muß (inklusive Mittagessen zum Mitgeben, da Hartzis Kinder an schweren Nahrungsmittelallergien, wie auch Intoleranzen leiden und am normalen Schulessen nicht teilnehmen können).

Als dann endlich alle Kinder aus dem Haus sind, macht Hartzi den Haushalt, geht Einkaufen, nimmt Termine wahr.

Mittags kommt das erste Kind nach Hause und hat Hunger, also steht das vorbereitete Mittagessen auf dem Tisch. Die beiden anderen Kids kommen erst später, so kann Hartzi mit Kind 1 ein wenig für die Schule üben.

Dann kommen die beiden anderen Kids nach Hause und ab da wird’s erstmal stressig, da die beiden im Wechsel in der Woche Therapien haben, zu denen Hartzi mit beiden per Bus fahren muß.

Abends werden dann die beiden jüngeren gebadet, es gibt allgemein Abendessen, die Kids gehen ins Bett und Hartzi denkt darüber nach, was man ihr von Seiten der Arge damit sagen wollte, dass man ihm wieder ein geregeltes Leben verschaffen solle. Ist denn das, was er tut ungeregelt? Ist das, was er tut nichts wert? Zählt es nicht, dass er mehr Stunden am Tag bereit steh und tut und macht, als z.B. ein Arbeiter am Band, der nach 8 Stunden nach Hause geht und die Füße hochlegen kann? Zählen durchwachte Nächte nicht? Teilweise 36 Stunden am Stück ohne jegliche Pause, wenn ein Kind krank ist und nicht zur Schule kann?

Ob wohl auch die Politiker an solche Hartzis denken, die einen solchen Tag haben wie „unser“ Hartzi? Anscheint nicht, denn Hartzi hat gefälligst den Regelsatz der Kinder in Zigaretten und Alkohol umzusetzen und den ganzen Tag zu Hause vor dem Breitbildfernseher zu sitzen, damit auch die Aussage stimmt, Hartz4 wäre nur zur Überbrückung, sozusagen
Um den Weg in die Arbeit zurück zu finden und deshalb auch so niedrig und eng bemessen.

Vielleicht ist „unser“ Hartzi nicht unbedingt DER Klischee-Hartzi, aber es gibt viele Hartzis, die einen ganz ähnlichen Tagesablauf haben – nur, von denen spricht keiner, diese Art Hartzi hat keine Lobby. Es wird Zeit, etwas für Hartzi zu tun – und zwar nicht in Form einer Maßnahme, sondern in Form eines würdigen Lebens und der Anerkennung seiner Leistungen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.